Grenzen des staatlichen Schulsystems

Viele Medienberichte und Studien zeigen, dass die Staatschulen in ihrem Bemühen, allen Kindern gerecht zu werden, an deutliche Grenzen stossen. Beispiele:

Schulabbruch: Jedes Jahr brechen in der Schweiz ca. 5000 Jugendliche frustriert die Schule ab. Damit verbunden sind auch hohe soziale Folgekosten. (Quelle: «Schulabbruch – Zeugnis des Scheiterns?»)

Sitzenbleiben: Fast jedes fünfte Kind repetiert in der Schweiz ein Schuljahr. Eine Massnahme, die dem Kind in der Regel nicht viel bringt, den Staat aber ca. 24’000.- kostet. (Quelle: «Das verlorene Jahr»)

Bildungsdefizite: 20 Prozent der hiesigen Schüler sind nach neun Schuljahren funktionale Analphabeten (Quelle: «Teuer und ungenügend», «Illettrismus in der Schweiz: Aktuelle Situation und Strategien zur Bekämpfung des Illettrismus»)

Leistungsdruck macht Schüler krank: Schüler leiden wegen Stress an Schlafstörungen und greifen zu Schmerzmitteln. Schulrechts-Experte Peter Hofmann fordert weniger Tests. (Quelle: «Der hohe Leistungsdruck macht die Schüler krank», «Kinderärzte: Leistungsdruck macht Schüler krank» & «Kinderärzte wollen beim Lehrplan 21 mitreden»)

Therapiewahn: Auf die Schweiz hochgerechnet nahmen 2009 rund 29’000 Menschen Ritalin. Die meisten waren Kinder zwischen 7 und 18 Jahren. (Quelle: «UNO kritisiert: Schweizer Kinder schlucken zu viel Ritalin» & «Motion – Ritalinkonsum in der Schweiz. Die Rüge der Uno ernst nehmen!»). Über die Hälfte der Schulkinder im Kanton Zürich erhalten eine sonderpädagogische Massnahme oder eine Therapie. (Quelle: «In die Schule, dann zur Therapie» & «Therapiewahn an den Schweizer Schulen?»)

Burnout von Schülern: Jedes dritte Kind leidet in der Volksschule an Burnout-Symptomen. Die Kosten für psychiatrische Leistungen an Kindern und Jugendlichen während ihrer Schulzeit sind in den letzten Jahren explodiert. (Quelle: «Jetzt gegensteuern, sonst werden die Folgen fatal sein – Warum bereits 11-Jährige ein Burnout erleiden» , «Jeder dritte Schüler leidet an Burn-out-Symptomen», «Burn-out und Suizidgefahr: Notfälle bei Kindern nehmen zu – Kinder- und Jugendpsychiater haben mit zehnmal mehr Fällen zu tun als noch vor zehn Jahren.» & «Leistungsdruck bis zum Burn-Out – Immer mehr Schüler depressiv»)

überforderung der Lehrpersonen: Gemäss einer Nationalfondsstudie der Fachhochschule Nordwestschweiz von 2014 fühlt sich jede fünfte Lehrperson «ständig überfordert». Jeder dritte Pädagoge leidet mindestens einmal pro Monat unter depressiven Beschwerden, ebenso viele sind Burnout-gefährdet. (Quelle: «Ein Drittel der Lehrer ist Burn-out-gefährdet», «Schweizer Lehrerverbände schlagen Alarm wegen Burnouts» & «Die meiste Kritik an Lehrern ist völlig berechtigt»)

4 Kommentare
  1. Hans Joss
    Hans Joss sagte:

    Die Grenzen des staatlichen Schulsystems erlebe ich seit 14 Jahren – nach meiner Pensionierung- als Präsident des Vereins Lesen und Schreiben für Erwachsene im Kanton Bern (7 Jahre), wo ich konfrontiert wurde mit der Tatsache, dass die öffentliche Schule rund 20% der Lernenden mit ungenügenden Kompetenzen in Lesen und Schreiben entlässt: Grundvoraussetzung für das Funktionieren der direkten Demokratie.

    Bei der Arbeit mit Lernenden an einem 10. Schuljahr (individuelle Lernförderung) in der Stadt Bern, bin ich immer wieder schockiert über Wissenslücken nach neun Jahren Unterricht: das Kleine Einmaleins kann weder mündlich noch schriftlich angemessen eingesetzt werden. Am schlimmsten sind Lernende, die „gerilzt“ wurden im Unterricht. (reduzierte individuelle Lernziele, ohne verbindliche individuelle Förderung). Das Stigma „ich kann nichts“ wird sie ein Leben lang begleiten. Konstruktive Änderungen sind keine in Sicht, geplant sind weitere Sparmassnahmen im zweistelligen Millionenbereich.

    Ein mehrheitlich sehr gutes staatliches Schulsystem, mit unübersehbaren Grenzen und Schwach-stellen, mit Lehrenden und Lernenden, denen das staatliche Schulsystem zum Verhängnis werden kann (Burnout und lebenslange Traumatisierungen). Es braucht deshalb dringend engagierte politische Kräfte, welche sich einsetzen für ein verfassungskonformes staatliches Schulsystem.

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    • Ruschy
      Ruschy sagte:

      Ihr Einsatz ist begrüssens-, verdankens- und ehrenwert! (auch ehrenamtlich?, das täte dem Schul-Budget gut!)
      Ihre Beobachtungen sind nicht neu. Die Lösung, die Sie vorschlagen, ist genau das, was seit Jahrzehnten schon läuft: nich mehr vom Gleichen: mehr Geld, mehr(bessere?) Lehrkräfte und vor allem noch viel mehr Schulpolitik, wo doch die Politik das Problem, nicht die Lösung ist. Einstein soll bereits entdeckt haben, es sei nicht möglich, ein Problem mit den gleichen Denkansätzen zu lösen, mit denen es geschaffen worden sei. Schon mal was gehört von Entpolitisierung?, oder elterngeleiteter Bildung zu Hause? Ich hätte da ein paar Gedanken anzubieten, doch wen interessiert’s? Das wäre viiiieeel zu anstrengend! Wer’s tut und die Resultate sieht, wird nie mehr was anderes tun wollen. Es ist anstrengend, erfüllend für Eltern und Kinder, dazu äusserst befriedigend und so sehr menschengerecht.

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    • Marina Bachmann
      Marina Bachmann sagte:

      Richtig. Genau so erleben wir das bei unseren Kinder. Schriftliches wird nicht korrigiert, fast jedes Kind muss zur Logopädie weil es angeblich eine Sprach- oder Schreibstörung hat, dabei wäre es ein muss, sie richtig abschreiben zu lassen in Form von Diktaten, Wanderdiktaten, Texte abschreiben, korrigieren, neu verfassen etc. Wie wir das vor nicht mal 20 Jahren noch taten. Wir sind doch alle gut raus gekommen, warum experimentiert man jetzt an unseren Kindern rum? Unsere Grosse mit 11 in der 5. Klasse kann schlechter schreiben als damals ein 3. Klässler. Unsere Mittlere 9 J in der 2. Klasse mussten wir wegen Überlastung hat ADHS (musste Ritalin absetzen wegen körperlichen Beschwerden) von der Schule nehmen. Machen aktuell Homeschooling bis zu neuer Lösung. Sonderschule wird abgeklärt, was für ubs bei ihrem guten IQ auch keine befriedigende Lösung ist. Wir fühlen uns allein und wissen nicht weiter. Wir möchten unsere Kinder richtig fördern und in guten Händen wissen. Bitte helft uns! Danke

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