Ohne Hilfe ins Gymi zu kommen wird schwieriger

Natalie Avanzino über das florierende Geschäft mit privaten Vorbereitungskursen für die NZZ.

Zusammenfassung

Private Vorbereitungskurse für die Aufnahmeprüfung florieren und gefährden die Erfolgschancen von Kindern wenig privilegierter Eltern.

Schüler, die den Übertritt ans Gymnasium schaffen wollen, büffeln teilweise seit den Sommerferien für die Aufnahmeprüfung. Kurse privater Anbieter boomen – das Freie Gymnasium bietet nun ab der 5. Primarstufe eine Vorbereitungsklasse an.

Vorbereitungskurse privater Anbieter boomen

Christian Berger bezeichnet seinen zehnjährigen Sohn Noah als guten Schüler. «Allerdings nicht konstant», fügt der selbständige Architekt an. Einmal kriegt der Viertklässler für seine Englischprüfung eine Sechs, das nächste Mal eine Vier. «Obwohl ich täglich mit ihm die Hausaufgaben anschaue», sagt der 44-jährige Vater, der mit seiner Familie im Zürcher Kreis 7 wohnt.

Dass sein Sohn ins Gymnasium soll, steht ausser Frage. Er selbst besuchte die Zürcher Privatschule Dr. Buchmann und wechselte später in ein privates Internat im Kanton Zug. Von anderen Eltern aus dem Quartier hat er bereits einige Geschichten bezüglich der aufreibenden Vorbereitungen für die Aufnahmeprüfung ans Gymnasium gehört und äussert sich besorgt: «Zusatzkurse und Extra-Coaching werden den jetzt schon intensiven Schulalltag meines Sohnes noch mehr befrachten.»

 

Kritik an teuren Kursen

Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien kritisieren zunehmend die gegenwärtige Entwicklung. So schreibt die Kommission für Bildung und Kultur des Kantonsrats in einem Bericht: «Es ist erwiesen, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Aufnahmeprüfung bei gleicher Intelligenz und gleichen schulischen Leistungen durch die Prüfungsvorbereitungskurse um 9 Prozent gesteigert werden kann.»

Ebenfalls äusserst skeptisch betrachtet Katrin Wüthrich (sp.), Schulpräsidentin des Schulkreises Limmattal, die Tendenz des wachsenden Privatmarktes der Kursangebote. Sie findet teure Vorbereitungskurse für die Aufnahmeprüfung nicht gut, weil so die Bildungschancen für Kinder aus einkommensschwachen Elternhäusern eingeschränkt seien. «Die öffentliche Schule soll – und muss – ihre Schüler und Schülerinnen genügend auf das Gymi vorbereiten.»

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