NZZ Ein Dorf verliert seine Schüler

Freie Schulwahl ist unentbehrlich

Leserbrief zum Artikel „Ein Dorf verliert ihre Schüler“ (siehe unten)
NZZ am Sonntag, 6.11.2016 / Bild: MICHELE LIMINA – NZZ

Der Bericht zur Schulung von Kindern in der Gemeinde Thalheim ZH zeigt beispielhaft die grundsätzliche Problematik des heutigen Schulsystems. Erstens: Mit einem einzigen Schulmodell kann man nicht alle Kinder gut fördern. Das sieht offenbar auch die Thalheimer Schulleiterin so. Zweitens: In unserer pluralistischen Gesellschaft gehen die Vorstellungen von einer „guten Schule“ zunehmend auseinander. Ein bestimmtes Schulmodell für alle Eltern und Kinder als verbindlich zu erklären ist daher nicht mehr zeitgemäss. Den unterschiedlichen Bildungsbedürfnissen muss in Zukunft Rechnung getragen werden mit einer stärkeren Profilierung der Schulen. Die Erziehungsverantwortlichen sollen dann ein ihrem Kinde entsprechendes Schulprofil wählen können. Schulvielfalt und freie Schulwahl sind unentbehrliche Grundpfeiler eines modernen Bildungswesens.

Erwin Ogg, Rapperswil-Jona

Ein Dorf verliert seine Schüler

Gleich mehrere Familien in Thalheim an der Thur setzen auf Homeschooling. Die Zahl der Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, ist im Kanton Zürich stark gestiegen. Im Zürcher Weinland gibt es an einem Ort eine besondere Häufung.

René Donzé, NZZ – Thalheim an der Thur ist ein 900-Seelen-Dorf im Norden des Kantons Zürich, mit viel Acker- und Weideland und einem bunten Primarschulhaus. 88 Kinder gehen dort zur Schule und in den Kindergarten. Doch längst nicht alle Eltern wollen ihren Nachwuchs den örtlichen Lehrern anvertrauen. Fünf Familien setzen auf Homeschooling. Damit weist das Dorf die höchste Dichte dieser Schulform, die im ganzen Kanton wieder beliebter wird, auf.

Das sorgt im Dorf für Spannungen. In der lokalen «Andelfinger Zeitung» beschwerte sich Schulpflegepräsidentin Cornelia Schumacher im letzten Herbst, dass gewisse Eltern «einfach ihr Ding durchziehen», wenn ihnen Entscheide von Experten nicht passten. Und weiter: «Ich persönlich würde das meinen Kindern nicht antun.» Prompt hielt Gemeinderatskollege Guido Roggensinger dem entgegen: «Einer Amtsträgerin steht es nicht zu, sich in die Privatsphäre der Familien und das Elternrecht auf Erziehung einzumischen.» Seinen Ärger versteht, wer weiss, dass er seine Kinder aus der Schule genommen hat. «Wir mussten die Notbremse ziehen», sagt er.

In der Schule sei das Vermitteln von Wissen in den Hintergrund getreten. Die Förderung der Kinder fehle, die Lehrer seien bloss noch Lerncoaches. Die Kinder müssten sich vieles selber beibringen. «Mit meinen Kindern funktioniert das nicht», sagt er. Ähnliche Erfahrungen machte die Familie Hefti. «Aufgrund des individualisierten Unterrichtsstils waren unsere Kinder überfordert», sagt Wilhelm Hefti.

Eine Minischule

Roggensingers und Heftis haben eigens ein Schulzimmer in einem Nebengebäude eingerichtet, in dem ihre vier Kinder seit gut einem Jahr von verschiedenen Lehrern unterrichtet werden. Bei bis zu fünf Kindern gilt auch das als Homeschooling. Dort erleben die Kinder nun einen klar geführten Unterricht nach genauem Stundenplan. Die Kinder blühten regelrecht auf. Sie hätten wieder Boden unter den Füssen.

Auch Rahel Huber hat ihre beiden Kinder aus der Schule genommen, weil sie mit dem System unzufrieden war, doch ihr war das System nicht etwa wie den anderen beiden Familien zu lasch, sondern zu rigide. «So löscht es den Kindern ab», sagt sie. «Ich will nicht, dass sie ihren natürlichen Lerntrieb verlieren.» Das freie Lernen bringe die grössten Erfolge, sagt sie. Sie ist mit den Kindern oft unterwegs, wenn nicht gerade die eigens engagierte Lehrerin vorbeikommt. «Zahlenreihen muss ich mit den Kindern nicht am Schulpult lernen, das geht auch draussen gut.»

«Man kann es nicht allen recht machen», sagt die Thalheimer Schulleiterin Sandra Blatter. Dass ihr gleich so viele Schüler abhandengekommen sind, stelle sie vor organisatorische Probleme: «Ich haben dann weniger Stellenprozente zum Verteilen.» In einer derart kleinen Schule fällt jedes Prozent ins Gewicht. Gegen alternative Schulformen habe sie aber nichts einzuwenden, betont sie.

Hier geht es zum vollständigen Artikel der NZZ

Freie Bildungswahl

Die elternlobby schweiz setzt sich seit langem für die freie Schul- und Bildungswahl ein. Eltern sollen entscheiden können wie ihr Kind gebildet wird. Das bedeutet:

  • Freie Volksschulwahl (Wahl innerhalb staatlicher Schulen)
  • Freie Schulwahl (Wahl innerhalb freier Schulen)
  • Home Schooling (Wahl ob Schule oder Bildung zuhause)

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