Wir sind fast daran zerbrochen

Für Kinder, die in einer Normklasse der öffentlichen Schule nicht zurechtkommen, kann eine Privatschule oder Heimunterricht eine Lösung sein. Eltern berichten von ihrem Leidensweg, eine Lösung für das Wohl des Kindes zu finden.

Ein Artikel von Imelda Ruffieux, erschienen in den Freiburger Nachrichten am 15.3.2018. 

«Unser Sohn ist ein Naturkind, er ist viel draussen und hat einen enormen Bewegungsdrang. Stillsitzen über längere Zeit bereitet ihm grosse Mühe. Wenn er dazu gezwungen wird, entwickelt er Ticks und bekommt Bauchweh. Er ist äusserst sensibel. Je mehr Druck auf ihn ausgeübt wird, desto mehr verschliesst er sich.» Wenn Karin Lerch aus St. Antoni von ihrem heute zehnjährigen Sohn erzählt, dann ist das keine schöne Geschichte. So lange der Kleine zu Hause war, gingen die Eltern davon aus, ein gesundes, aufgewecktes Kind zu haben.

«Mal ist er als lernbehindert eingestuft worden, mal als hochbegabt.»
Karin Lerch, Mutter

Als er aber in die Schule kam, begannen die Probleme. Karin Lerch erzählt von Gängen zu den Lehrpersonen, zur Schulpsychologin, zur schulischen Heilpädagogin, zum Hausarzt und zum Spezialisten in Bern – immer in der Hoffnung, dass es einen Weg gebe, ihrem Kind zu helfen. Oft hatte sie das Gefühl, die Lehrer und Schulverantwortlichen seien überfordert mit der Situation und suchten die Fehler nur immer beim Kind. «Mal ist er als lernbehindert eingestuft worden, mal als hochbegabt.» Sie und ihr Mann hätten sich selbst hinterfragt, ob sie ihr Kind nicht richtig einschätzten oder gar falsch behandelten.

Auffällig aus Langeweile

Was Roland und Karin Lerch erlebt haben, ist kein Einzelfall. Den FN liegen mehr als zwei Dutzend Namen von Familien vor, die Gleiches oder Ähnliches erlebt haben. Die Familie B., die lieber anonym bleiben will, hat zum Beispiel einen Sohn, der hochbegabt ist. «Ihm war vom ersten Tag an im Kindergarten langweilig. Zu Hause hat er ganze Hörbücher auswendig gelernt, und nun sollte er ein einziges kleines Verslein dutzende Male wiederholen», erzählt die Mutter.

Ihr Sohn reagierte, indem er sich auffällig benahm, so dass er als «unreif» eingestuft wurde. «Er ist zwei Jahre lang mit Bauchweh in die Schule gegangen und weinend wieder nach Hause gekommen, weil er spürte, dass er den Ansprüchen der Lehrpersonen nicht genügen konnte.» Die Mutter erzählt, wie hilflos sie sich gefühlt habe, weil all die Gespräche, die sie mit der Schule gesucht hat, nichts brachten. Ihr Sohn sei als «verwöhntes Prinzlein» bezeichnet worden, weil er den Schulunterricht verweigerte.

Auch Daniel von Gunten aus Schmitten ist Vater eines kleinen Jungen, der «bei der Einschulung nicht ins Schema passte». «Er war extrem aufgeweckt, hat selbst angefangen zu lesen. Es machte richtig Freude, wie schnell er Neues lernte», erzählt er.

Als der Kleine in den Kindergarten kam, ging gar nichts mehr. Erst als er in einen privaten Kindergarten wechselte, entwickelte er sich weiter, und die Eltern wagten einen neuen Versuch mit der öffentlichen Schule. Doch schon die ersten Wochen in der ersten Klasse zeigten, dass der Bub in der Regelklasse einfach nicht zurechtkam. Die Schule legte dem Vater gar nahe, das Kind in die Psychiatrie zu geben. «Einen Fünfjährigen!» Daniel von Gunten ist immer noch schockiert darüber. Seinem Sohn ging es derweil immer schlechter. «Er wurde verhaltensauffällig und war nicht mehr ansprechbar.»

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Lesen Sie den ganzen Artikel in den Freiburger Nachrichten oder als PDF.

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