Peter A. Fischer NZZ

Die Anzahl der Schuljahre zählt wenig

Peter A. Fischer über Wirtschaftsförderung und Schule für die NZZ (NZZ 12. Juni 2014 / Bild: NZZ)

Was erklärt am besten die Unterschiede im wirtschaftlichen Wohlstand und im Wachstum? Die relative Ausstattung mit Arbeitskräften und Kapital sowie deren Produktivität, antworteten traditionelle Ökonomen. Wobei sich Produktivitätsunterschiede laut den einen mit institutionellen Faktoren erklären lassen, während andere auf die Qualität der Arbeitskräfte (das «Humankapital») verweisen.

Eric A. Hanushek aus Stanford und Ludger Woessmann aus München haben dazu faszinierende Studien produziert. Sie sehen den alles entscheidenden Faktor in der Qualität der Bildung. In sich über vier bis fünf Jahrzehnte erstreckenden empirischen Ländervergleichen zeigen sie, dass wenig zählt, wie viele Jahre Kinder und Jugendliche in der Schule verbringen. Kinder in Lateinamerika sitzen länger in der Schule als jene in Asien, dennoch sind die asiatischen Länder viel schneller gewachsen. Was zählt, ist, dass die asiatischen Jugendlichen sich deutlich bessere Fähigkeiten im Lesen und Schreiben und in naturwissenschaftlichen Fächern aneignen. Die in international vergleichbaren Tests gemessenen durchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten am Ende der obligatorischen Schuljahre sind das, was zählt.

Dabei zeigt sich auch, dass ein Staat künftig nicht unbedingt schneller wächst, wenn er mehr Mittel in sein Bildungswesen steckt. Hingegen erhöhen eine freie Schulwahl und Wettbewerb zwischen öffentlichen und privaten Schulen sowie zentralisierte Examen für den Universitätseintritt das Leistungsniveau und damit das künftige Wirtschaftswachstum signifikant. Auch lernen Kinder in Schulen, die über die Entlöhnung ihrer Lehrer selber bestimmen können, überdurchschnittlich schnell und viel. Und schliesslich weisen die Ökonomen nach, dass der Wachstumseffekt von kognitiven Fähigkeiten in offenen Volkswirtschaften besonders gross ist. Da fragt es sich nur, wieso Bildungspolitiker auch in der Schweiz oft derart Mühe bekunden, sich mit solch leistungsorientierten Sichtweisen anzufreunden.

 
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