Der Mythos um die Begabtenförderung

Begabungsförderung an der öffentlichen Schule – Mythos und tragischer Ist-Zustand. Die Schulproblematik aufgezeigt an einer gescheiterten Schulkarriere. Von Dominique Blickenstorfer, geboren 1969.

Ich leide an leichtem Asperger-Autismus mit Tendenz zu intellektueller Hochbegabung und möchte aufzeigen, wie mir eine erfolgreiche Schulkarriere verunmöglicht wurde. Ganz einfach: Es lag nicht an mangelnder Intelligenz, sondern an der Auffälligkeit, dass ich sowohl fachspezifische (Mathematik usw.) wie auch allgemeinbildende Erkenntnisse und die laut Fachleuten richtigen Überlegungen dazu nicht durch den Lernstoff gewinnen konnte, sondern anhand von Eigeninteressen und eigenen Lernwegen. Dazu gehören die folgenden Beispiele: Das bereits seit der Frühkindheit bestehende Interesse an einfachen geometrischen Formen wie Rechteck und an der theoretischen Elektrotechnik ermöglichen mir bereits bei Pubertätseintritt (12. Lebensjahr), mittels der Algebra, Matrizen,-und Differentialrechnung folgende Probleme laut Fachleuten richtig zu lösen:
-Die elektrische Leistungsflussberechnung im Hochspannungsnetz
-Die Beantwortung der Fragen, wie lässt sich die Relation Quadratumfang -Schallplattenhülle zu Kreisumfang Schallplatten-Kreisumfang bestimmen?
-Und welche Möglichkeiten bestehen, um bei einer Strassenunterführung die Relation obere Breite zu Gehwegbreite und Gesamthöhe der Unterführung mittels der Matrizenrechnung bestimmen?

Aber da dieser Sonderzugang zur mathematischen Welt keine lernmässige Unterstützung vom System erhielt, erfolgte auch die allgemeinbildungsmässige Wissensaufnahme fast nicht mehrdurch den gegebenen Lernstoff, sondern durch die ebenfalls nur ausserschulisch mögliche Beschäftigung mit der Frage: Wie lassen sich solche Sonderbegabungen durch entsprechende Zusatzaufgaben vernetzt mit dem Regelunterricht fördern? Zur Antwortsuche las ich darauf Unmengen von Zentralbibliothek-Büchern über Religion, Philosophie, Geschichte und klassische Literatur, um mich mit dem Grossvater und Hochschulleuten darüber auszutauschen.

Die beiden Fazits aus dieser Erfahrung:
1. Die noch mangelnde Begabungsförderung an öffentlichen Schulen der Schweiz und Deutschland scheitert an der im 19.Jahrhundert geschaffenen und heute noch praktizierten Bildungsauffassung des Pädagogen Paul Natorp. Laut deren pädagogischer Neubelebung von Platon gilt die Auffassung, dass einmal als studienmässig und wirtschaftlich sinnvolle definierte Lernideen nicht mehr änderbar und unabdingbar sind. Stattdessen sollten für die Individualbegabungsförderungan der Schule folgende Ideen wiederbelebt werden: Die Auffassungenvon Wilhelm von Humboldt und dem Pädagogen Herbart, die Begabung jedes Individuums durch Auseinandersetzung mit einer Vielfalt von Ideen zu bestimmen.

2. Mit einer Unterstützung meiner intellektuellen Sonderinteressen wäre ein Mittel/Hochschulabschluss problemlos möglich (gewesen). Was im Schweizer (Mittel)-schulsystem mit seinen starren Strukturen aber verunmöglichtwurde. So, dass ich heute von der Invalidenrente und Ergänzungsleistungen leben muss!

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