schule einfach anders homeschooling

Bildungsgutscheine würden es vielen Kindern leichter machen

«Weniger Zeit für auffällige Kinder», «Zentralschweiz am Sonntag»

Von Martina Amato, Juristin mit langjähriger beruflicher Erfahrung im Kinder- und Jugendschutz.

Bereits der Titel des Berichtes stigmatisiert auffällige Kinder. Aus dem Artikel geht hervor, dass bei der Zunahme der schulpsychologischen Abklärungen tendenziell jüngere Kinder im Kindergartenalter oder aus der ersten Klasse betroffen seien. Sie zeigen Auffälligkeiten, heisst es weiter und hätten oft kein Regelverständnis oder könnten keine Anweisungen befolgen. Spannend wäre es an dieser Stelle, die Perspektive zu wechseln und die Problematik aus Sicht der Kinder zu betrachten. Es war schon immer so, dass wo Widerstand besteht, ein System hintennachhinkt.

Bestsellerautor Remo Largo bringt es auf den Punkt: Die Schule stammt aus dem 19. Jahrhundert, die Eltern und Lehrer aus dem 20. Jahrhundert und die Kinder leben im 21. Jahrhundert. Müsste man statt die wachsende Zahl sogenannt auffälliger Kinder – und diese sowie die damit entstehenden Kosten werden weiter steigen – nicht vielmehr das bestehende Schulsystem abklären? Wie im Artikel erwähnt, müsse die Volksschule bei Kindern im Alter von vier bis neun Jahren eine extreme Bandbreite von unterschiedlich weit entwickelten Fähigkeiten unter einen Hut bringen. Mit ihren Bemühungen, allen Kindern gerecht zu werden, stösst die Volksschule vermehrt an ihre Grenzen.

Heute sind viele Kinder bei Schuleintritt nicht nur überfordert, sondern auch unterfordert. Kein Wunder wird rebelliert. Das Kind gilt dann als auffällig und wird abgeklärt. Das Staatsschulmonopol generiert in der heutigen Zeit enorme Kosten und stigmatisiert Kinder. Bildungsvielfalt für alle könnte die Lösung sein. Dürfte man nämlich in der Schweiz – wie in anderen Ländern bereits seit Jahren – unbürokratisch und ohne finanzielle Hürden mit Bildungsgutscheinen die für das Kind passende Bildungsform wählen, käme dies nicht nur den Kindern, sondern der ganzen Gesellschaft zu Gute.

Als Leserbrief erschienen in der  Luzerner Zeitung vom 20.9.18

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