Chancengerechtigkeit Chancengleichheit Soziale Integration

Gefährdet die freie Bildungswahl die soziale Integration?

Gegen die Einführung einer freien Bildungswahl wird oft eingewendet, sie untergrabe die Integrationsfunktion der Volksschule. In dieser würden alle Schichten der Bevölkerung gemeinsam die gleiche Schulbank drücken. Der Arbeitersohn neben der Bankierstochter. Wirklich?

Wenig Durchmischung mit staatlich verordneter Schulzuweisung

Die Realität sieht mancherorts anders aus: Der Arbeiter und der Bankier leben in verschiedenen Quartieren, bedingt durch ihre unterschiedlichen finanziellen Verhältnisse und Wohnkosten. Mit der staatlich verordneten Schulzuweisung nach Wohnort besuchen ihre Kinder verschiedene Schulen. Die soziale Durchmischung einer Schule ist ebenso gut oder schlecht wie die Durchmischung der Wohnbevölkerung in ihrer Umgebung. Schulen mit einem Ausländeranteil von über 50% sind keine Seltenheit. Wer integriert hier wen?

Auch finanziell schwächere Familien wollen wählen

Bei einer freien Bildungswahl kann auch der Arbeitersohn eine Schule im Villenquartier besuchen – zusammen mit der Bankierstochter. Die Behörden können natürlich seine Eltern nicht zwingen, ihren Sohn in diese Schule zu schicken, aber ihnen diesen Schritt empfehlen, um seine Integration zu verbessern – und damit auch die Durchmischung der Schule. Allgemein ist eine gute Information der Eltern über die Wahlmöglichkeiten wichtig, insbesondere von sozial benachteiligten Schichten. Damit kann einer Segregation im Bildungswesen entgegengewirkt werden.

Eine weitere Möglichkeit dazu könnte sich mit einer geschickten Schwerpunktbildung ergeben: Etwa eine Schule in einem Blockhausquartier mit einem sportlichen Schwerpunkt wäre wohl auch attraktiv für manche Schüler aus wohlhabenden Quartieren. In den Niederlanden erhalten Schulen mit vielen Immigrantenkindern mittels eines Sozialindexes mehr Geld und können damit mehr in die Förderung der Kinder investieren. Das hat auch vermehrt Niederländische Eltern dazu bewogen, ihre Kinder in solche Schulen zu schicken. Die Erfahrungen vieler Länder mit freier Schulwahl zeigen, dass die grosse Mehrheit (ca 90%) der Eltern die nächstgelegene Schule wählt. Von einer freien Schulwahl ist deshalb kein stark segregativer Effekt zu erwarten.

Chancen-Gerechtigkeit und Bildungswahl

Ein weiterer Einwand gegen eine freie Bildungswahl betrifft die Chancengerechtigkeit: Einige behaupten, von einer freien Bildungswahl würden nur wohlhabende und gebildete Eltern profitieren. Diese Meinung wird durch mehrere Studien klar widerlegt. Mehr noch: Gemäss einer OECD-Studie wird bei einer Wahlmöglichkeit von öffentlich finanzierten, nichtstaatlichen Schulen die Abhängigkeit des Schulerfolges von der sozialen Herkunft stark reduziert.

Die Chancengerechtigkeit wird damit also deutlich erhöht.

 

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